Stadtratsfraktion fordert mehr Klima- und Hitzeschutz für Haßfurt und Ortsteile

Unsere grüne Stadtratsfraktion wird sich für ein 12-Punkte-Programm für mehr Klima- und Hitzeschutz in Haßfurt und seinen Ortsteilen einsetzen.

Die Sommer werden heißer und trockener – deshalb sollen Maßnahmen, die schnell helfen, genauso wie Investitionen, die unsere Heimat langfristig lebenswerter und widerstandsfähiger gegen Hitze und Dürre machen, geprüft und umgesetzt werden.

Sofortmaßnahmen:

1. Kommunalen Hitzeaktionsplan einführen
Die Stadt erstellt einen einfachen und verbindlichen Hitzeaktionsplan mit klaren Zuständigkeiten für Hitzewellen. Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen, Vereine und Bevölkerung werden bei hoher Hitzebelastung frühzeitig informiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranken, kleinen Kindern und anderen besonders gefährdeten Personen.

2. Hitze-Nachbarschaftshilfe für vulnerable Menschen aufbauen
Für besonders heiße Tage wird ein freiwilliges Nachbarschaftshilfe-Notprogramm aufgebaut. Bürgerinnen und Bürger, Vereine und soziale Initiativen können während akuter Hitzeperioden gezielt Menschen unterstützen, die Hilfe benötigen. Dazu gehören Einkaufshilfen, das Besorgen von Getränken oder Medikamenten sowie die Begleitung zu einem kühlen Ort. Die Stadt koordiniert eine zentrale Anlaufstelle; Freiwilligkeit und Datenschutz sind zu wahren.

3. Aktion „Haßfurt gießt!“ starten
Während längerer Hitze- und Trockenperioden ruft die Stadt die Bevölkerung auf, freiwillig den Bauhof beim Gießen öffentlicher Bäume und Grünanlagen zu unterstützen. Gießpatenschaften können für einzelne Bäume oder Grünflächen übernommen werden. Die Stadt koordiniert die Aktion, kennzeichnet besonders gefährdete Bäume und stellt nach Möglichkeit Gießsäcke und geeignete Wasserentnahmestellen bereit.

4. Kühle Orte, Trinkwasser und Schatten schaffen
Rathaus, Bücherei, Kirchen oder andere geeignete Gebäude werden an besonders heißen Tagen als öffentlich zugängliche „Kühle Orte“ ausgewiesen. Möglichkeiten für kostenloses Trinkwasser (Trinkwasserbrunnen) werden installiert. Spielplätze, Schulhöfe, Bushaltestellen und öffentliche Sitzbereiche erhalten Sonnensegel, Schirme oder andere einfache Verschattungsmöglichkeiten. Hierbei soll immer auch geprüft werden, ob zugleich die Pflanzung schattenspendender Bäume möglich ist.

5. Bestehende Bäume und Grünflächen konsequent schützen
Der Erhalt großer und alter Bäume erhält besondere Priorität. Fällungen auf kommunalen Flächen werden auf das zwingend notwendige Maß beschränkt. Grünflächen werden möglichst naturnah und hitzeresistent gepflegt. Weniger häufiges Mähen kann Kosten reduzieren, Austrocknung vermindern und zugleich Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten.

6. Schatteninseln schaffen – Tiny Forests pflanzen
An geeigneten Stellen im Stadtgebiet sollen Tiny Forests als natürliche Schatten- und Kühlinseln entstehen. Die dicht bepflanzten, naturnahen Mini-Wälder mit klimaresilienten Bäumen und Sträuchern verbessern das Stadtklima, fördern die Biodiversität und schaffen neue Lebensräume. Schulen, Vereine, Unternehmen und Bürger können durch Pflanzaktionen und Patenschaften einbezogen werden.

Langfristig angelegte Maßnahmen

1. Schwammstadt-Prinzip als Standard für alle Neubaugebiete
Bei neuen Wohn- und Gewerbegebieten wird das Schwammstadt-Prinzip verbindlicher Planungsgrundsatz. Niederschlagswasser soll möglichst vor Ort gespeichert, versickert oder zur Bewässerung genutzt werden. Dazu gehören Versickerungsmulden, Zisternen, Baumrigolen, wasserdurchlässige Beläge, Dachbegrünung und ausreichend große Grünflächen. Bestehende Wohngebiete sollen nach Möglichkeit schrittweise nachgerüstet werden.

2. Konsequentes Entsiegelungs- und Begrünungsprogramm
Die Stadt legt ein mehrjähriges Investitionsprogramm auf, um unnötig versiegelte Plätze, Parkflächen, Schulhöfe und Straßenräume umzubauen. Wo Asphalt nicht benötigt wird, soll entsiegelt werden. Parallel entsteht ein langfristiger Stadtbaumplan mit klimaangepassten, großkronigen Bäumen, ausreichend großen Wurzelräumen und gesicherter Bewässerung.

3. Schulen und öffentliche Gebäude wirksam kühlen
Alle Schulen, Kindergärten und kommunalen Gebäude erhalten schrittweise wirksamen sommerlichen Wärmeschutz. Dazu gehören Verschattung, Dämmung, Nachtlüftung und Begrünung sowie bedarfsgerecht dimensionierte Klimaanlagen beziehungsweise effiziente Kühlsysteme. Ziel sind gesundheitlich verträgliche Raumtemperaturen und der Schutz von Schülerinnen und Schülern, Beschäftigten und Besuchern. Wo sinnvoll, wird die Kühlung mit Photovoltaik kombiniert.

4. Kommunale Gebäude energetisch und klimafreundlich modernisieren
Rathaus, Schulen, Kindergärten, Feuerwehr und weitere kommunale Liegenschaften werden nach einem langfristigen Sanierungsfahrplan modernisiert. Dazu gehören Photovoltaik, klimafreundliche Wärmeversorgung, energetische Sanierung, Verschattung sowie Dach- und Fassadenbegrünung. Die Stadt übernimmt mit ihrem Gebäudebestand eine Vorbildfunktion.

5. Kommunales Förderprogramm für privaten Hitze- und Klimaschutz
Die Stadt richtet langfristig ein Förderprogramm für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Vereine ein. Bezuschusst werden beispielsweise Entsiegelung, Baumpflanzungen, Dach- und Fassadenbegrünung, Zisternen, Regenwasserspeicher und Verschattung. Ergänzend werden Beratungsangebote geschaffen und bestehende Fördermöglichkeiten von Freistaat und Bund vermittelt.

6. Flussbad am Main prüfen und langfristig verwirklichen
Die Stadt setzt sich für die Wiedererrichtung eines Flussbades am Main ein und knüpft damit an die historische Tradition eines früheren Flussbades an. Ziel ist eine attraktive, naturnahe und möglichst niedrigschwellige Möglichkeit zur Abkühlung und Erholung während heißer Sommer. Eine Machbarkeitsstudie untersucht Standorte, Wasserqualität, Strömung, Hochwasser- und Naturschutz, Schifffahrt, Barrierefreiheit und Sicherheit. Geprüft werden auch abgegrenzte Schwimmbereiche, Stege sowie Liege- und Schattenflächen. Das Flussbad wird als Teil der kommunalen Hitzevorsorge und als öffentlicher Erholungs- und Begegnungsraum verstanden.

Das Ziel: Haßfurt und seine Ortsteile sollen auch in Zukunft ein lebenswerter Ort für alle Generationen bleiben.

Text/Foto: mk

 

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