07.11.2024 – Haßfurt
In diesen Tagen stehen wir an einem historischen Wendepunkt. Ein Wendepunkt, der uns zwingt, die Welt und unsere Verantwortung neu zu denken. Was vor acht Jahren mit dem Brexit und dem Aufstieg von Trump begann, hat sich mit Putins Angriffskrieg und Trumps möglicher Wiederwahl in eine neue Realität verwandelt. Die Nachkriegsordnung, wie wir sie kannten, gehört der Vergangenheit an.
Jetzt erst ist die Nachkriegsordnung in Europa und der Welt vorüber. Jetzt beginnt eine neue Epoche, die uns vor Herausforderungen stellt, die wir lange für überwunden hielten. Zumutungen und Härten, die wir in ihrer Dringlichkeit fast vergessen hatten, stehen vor uns. Und ja, diese Herausforderungen werden uns viel abverlangen.
Unsere Verteidigungsbereitschaft zu stärken, auch ohne die gewohnte Rückendeckung durch die USA, wird uns sehr, sehr viel Geld kosten. Aber wir müssen in der Lage sein, Freiheit und Frieden in Europa eigenständig zu sichern. Das wird nur gelingen, wenn die leistungsstärksten europäischen Nationen gemeinsam voran gehen. Paris, Berlin und Warschau müssen sich zwingend auf einen gemeinsamen Weg einigen. Dann werden London, Rom, Madrid und viele der kleineren Staaten hinzukommen.
Die Zukunftsfähigkeit unserer Rentensysteme – das Versprechen der Solidarität zwischen den Generationen – wird nicht ohne enorme Anstrengungen und Anpassungsprozesse zu bewahren sein. Der Sozialstaat ist eine Errungenschaft auf die wir zurecht stolz sind. Aber das System wird langfristig mit knapperen Ressourcen auskommen müssen. Das bedeutet, dass wir Prioritäten setzen und soziale Gerechtigkeit neu organisieren müssen.
Die Wohlhabenden in unserer Gesellschaft werden mehr beitragen müssen, um die bröckelnde Infrastruktur zu reparieren und zukunftsfähig zu machen. Eine Erhöhung der Steuern wird unausweichlich sein. Und ja, wir werden die Schuldenbremse endlich reformieren müssen, weil nachhaltige Investitionen in die Zukunft nicht nur richtig, sondern überlebenswichtig sind.
Die junge Generation wird im globalen Wettstreit mit autokratisch geführten Weltregionen mehr leisten müssen und wir sind gefordert, sie dabei maximal zu unterstützen. Der Schlüssel dazu ist der massive Ausbau unserer Bildungsinfrastruktur. Unsere individuellen Entfaltungsmöglichkeiten könnten eingeschränkt werden, denn wir stehen vor der Aufgabe, das Gemeinwohl wieder stärker in den Fokus zu rücken.
Und schließlich: Die Kosten für Umwelt- und Klimaschutz bzw. die Anpassung an den Klimawandel und die Beseitigung der Schäden, die bereits entstanden sind, werden uns alle treffen. Viele Billionen Euro werden in den nächsten Jahrzehnten gebraucht werden, um unsere Erde für die kommende Generationen bewohnbar zu halten.
Doch inmitten all dieser Herausforderungen gibt es eine unumstößliche Wahrheit: Wir haben es in der Hand, diese Veränderungen sozial gerecht, solidarisch und ökologisch verantwortungsvoll zu gestalten. Wer immer in Zukunft dieses Land führt, sollte keinen einfachen Weg beschreiten, sondern den Reformbedarf eindeutig benennen. Was es jetzt braucht, sind klare Formulierungen, eine Art „Blut, Schweiß und Tränen“-Rede – nicht aus Pessimismus, sondern aus Verantwortung.
Foto: dreamstime.com / Text: mk
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