Haßfurt, 6. Juli 2025: Rund 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen am Sonntagnachmittag in die Kreisgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen am Floriansplatz in Haßfurt, um an der Podiumsdiskussion „Artenvielfalt in Franken schützen“ teilzunehmen. Bei sommerlichem Wetter diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Forstwirtschaft und Naturschutz gemeinsam mit dem Publikum über Wege, die biologische Vielfalt in der Region zu erhalten und zu fördern.
Auf dem Podium saßen Niklas Wagener (MdB), forstpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, Florian Tully vom Verein Nationalpark Steigerwald, Hans Stark, ehemaliger Leiter des Universitätsforstamtes Sailershausen, Dr. Klaus Mandery vom BUND Naturschutz Bayern sowie Klaus Schineller, Öko-Landwirt und Stadtrat in Ebern. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christian Ruser, Kreisvorsitzender der Grünen im Landkreis Haßberge.
Dringlichkeit und Handlungsspielräume
Niklas Wagener betonte in seinem Eingangsstatement die Bedeutung politischer Weichenstellungen auf Bundesebene:
„Wir müssen dem Artensterben mit klaren Vorgaben, Förderprogrammen und einer naturverträglichen Agrarpolitik begegnen.“ Besonders hob er die Rolle der Kommunen und der Zivilgesellschaft hervor.
„Ich bin kein Wissenschaftler“, sagte Florian Tully, „aber ich sehe den Wald jeden Tag und mache mir einfach große Sorgen, dass unser Steigerwald mit all seinem Reichtum an Pflanzen und Tieren verloren geht.“ Er sieht in der intensiven Waldwirtschaft und dem Klimawandel die größten Bedrohungen für die Baumbestände.
Hans Stark gab als Forstexperte Einblicke in den Zustand der heimischen Wälder und schilderte eindrücklich, wie sich Monokulturen, Bodenversiegelung und der Klimawandel auf Flora und Fauna auswirken. Er warb für eine naturnähere Bewirtschaftung und die Rückkehr strukturreicher Landschaftsräume.
Seine Sicht als Wissenschaftler schilderte Dr. Klaus Mandery und beschrieb konkrete Projekte des Naturschutzbundes im Landkreis Haßberge. Dabei wies er auf das große Potenzial der fränkischen Naturräume mit ihrer nach wie vor ungewöhnlich großen Artenvielfalt hin. Streuobstwiesen, Blühflächen und artenreiche Feldränder könnten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Biodiversität auch in Zukunft ein Schatz des Frankenlandes bleibt: „Die Lösungen sind oft lokal und ganz praktisch – was wir brauchen, ist politischer Wille und die Unterstützung der Menschen vor Ort.“
Klaus Schineller betonte den grundsätzlichen Willen der Landwirte, beim Naturschutz mitzuarbeiten – doch die Flut kleinteiliger Regelungen und die wachsende Bürokratie stellen ihn in der alltäglichen Praxis vor große Probleme.
Übereinstimmend stellten die Debattenteilnehmer fest, dass unsere Heimat bis heute von einer hohen Artenvielfalt geprägt ist, die Bemühungen zum Schutz unserer intakten Umwelt jedoch deutlich verstärkt werden müssen. Im Zeichen des Klimawandels seien sämtliche Elemente unseres Ökosystems gefährdet.
Überraschungsbesuch am Tag der Franken in Haßfurt
Besonders freuten sich die Veranstalter über den Besuch des Landtagsabgeordneten Paul Knoblach sowie des stellvertretenden Landrats im Landkreis Schweinfurt, Thomas Vizl. Beide Politiker waren als Ehrengäste zum Tag der Franken nach Haßfurt gekommen und nutzten spontan die Gelegenheit, die Diskussion mit ihren kenntnisreichen Beiträgen zu bereichern.
Im Anschluss an die Inputs entwickelte sich eine lebendige Diskussion unter den Besucherinnen und Besuchern. Fragen zum Insektensterben, zur Rolle der Landwirtschaft und zur Förderung privater Gärten als Rückzugsräume für Tiere machten deutlich, wie sehr das Thema bewegt. Mehrere Teilnehmende äußerten den Wunsch nach konkreten Mitmach-Angeboten und mehr öffentlicher Aufklärung.
Zum Abschluss waren sich alle einig: Der Schutz der Artenvielfalt beginnt vor der eigenen Haustür – und braucht sowohl politische Rahmenbedingungen als auch zivilgesellschaftliches Engagement.
Die Kreisvorsitzende Margit Pickel-Schmitt verabschiedete die Diskussionsteilnehmer mit einem kleinen Präsent und wünschte allen Gästen noch unterhaltsame Stunden am Tag der Franken in Haßfurt.
Text/Foto: mk