Grüne Delegierte besuchen Agri-PV-Pilotprojekt in Hainert

Landwirtschaft und Sonnenstrom – Grüne informieren sich über Agri-PV-Pilotprojekt in Hainert

Wie können Landwirtschaft und Energiewende auf derselben Fläche zusammengebracht werden? Darüber informierten sich Mitglieder und kommunale Mandatsträger von Bündnis 90/Die Grünen bei einem Besuch der neuen Agri-Photovoltaikanlage in Hainert. Die Anlage ist die erste dieser Art im Netzgebiet der ÜZ und im Landkreis Haßberge.

Projektleiter Rainer Schütz von der ÜZ und Landwirt Fabian Schwemmlein stellten das Projekt vor. Mit dabei waren unter anderem Regionalwerk-Vorstand und Kreisrat Norbert Zösch, Kreisrat Harald Kuhn, Gemeinderätin Andrea Werner, Stadtrat Andreas Bierlein, die Oberauracher Bürgermeisterkandidatin Barbara Körpert, die Haßfurter Ortsvorsitzenden Annika Bauer und Markus Kuhn sowie weitere interessierte Gäste.

Die Besonderheit der Anlage ist die Doppelnutzung: Unter den aufgeständerten Solarmodulen bleibt das Grünland weiterhin landwirtschaftlich nutzbar. Bio-Landwirt Alexander Böhner beweidet einen Teil der Fläche mit seinen Rindern. Trotz der Anlage sollen noch rund zwei Drittel des bisherigen Grünlandertrags erreicht werden. Im Frühjahr sei das Gras unter den beschatteten Bereichen teilweise sogar besser gewachsen. Für heiße und trockene Sommer erhofft man sich weitere Vorteile für Vegetation und Tiere.

Positiv berichteten die Verantwortlichen auch über das Genehmigungsverfahren. Das Landratsamt habe gut kooperiert, in der Gemeinde habe es kaum Irritationen gegeben. Bei der Standortwahl sei zudem darauf geachtet worden, das Orts- und Landschaftsbild möglichst wenig zu beeinträchtigen. Möglich wurde das Projekt auch durch die Privilegierung von Photovoltaikanlagen in einem 200 Meter breiten Korridor entlang der Autobahn.

Zur Sprache kamen auch die Rahmenbedingungen für vergleichbare Projekte. Auf die Frage, was er sich von der Politik für zukünftige Vorhaben wünsche, antwortete Schwemmlein: „Eigentlich wünsche ich mir vor allem eines: weniger Bürokratie.“ Projektleiter Schütz setzte einen weiteren Schwerpunkt: „Wir brauchen vor allem Planungssicherheit und ein Ende des ständigen Hin und Her in der Energiepolitik.“ Gerade bei langfristigen Investitionen seien verlässliche Rahmenbedingungen von großer Bedeutung.

Auch die Leistungsfähigkeit der Stromnetze war Thema des Austauschs. Norbert Zösch, Vorstand des Regionalwerks, verwies dabei auf einen zunehmenden Engpass: „Der dringend notwendige Ausbau der regionalen Stromproduktion wird immer stärker durch die begrenzten Kapazitäten unserer Netze gebremst.“ Der Ausbau der regionalen Erzeugung müsse deshalb mit entsprechenden Investitionen in die Netzinfrastruktur einhergehen.

Zösch verwies zugleich auf die wirtschaftliche Bedeutung einer stärkeren regionalen Energieversorgung: „Der Blick auf die Anzeigetafel an der Zapfsäule genügt, um zu wissen, wo wir zukünftig investieren sollten.“ Damit sprach er sich dafür aus, stärker in die regionale Erzeugung erneuerbarer Energie und die dafür erforderliche Infrastruktur zu investieren. Gemeinderätin Andrea Werner aus Knetzgau machte deutlich, dass derartige Projekte mit Bürgerbeteiligung wünschenswert wären.

Für die Besucher zeigt das Pilotprojekt, wie das ureigene Interesse der Landwirtschaft am Erhalt von Acker- und Weideflächen mit den Anforderungen der Energiewende verbunden werden kann. Zum Abschluss bedankte sich die Gruppe bei den Verantwortlichen und äußerte die Hoffnung, dass das Projekt viele Nachahmer findet. „Heimatenergie“ aus erneuerbaren Quellen könne künftig einen wachsenden Beitrag zu einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung leisten und gleichzeitig Wertschöpfung in der eigenen Region halten.

(Foto, von links: Rainer Schütz, Michael Groll, Andreas Bierlein, Barbara Körpert, Fabian Schwemmlein, Annika Bauer, Norbert Zösch, Harald Kuhn, Andrea Werner, Markus Kuhn, Jochen Ambros, Mario Pfaff und Herbert Seidel)

Text/Foto: mk

 

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